Guten Tag Miss Verständis
Mehr als eine Information in einem Satz verwirrt das Publikum.
Eine klassische Kommunikationsregel – und wir Zauberkünstler kennen sie.
Anfang 2025 ging ich während einer Woche gleich zwei Ideen nach (Gott bewahre mich).
Einerseits war ich im Austausch mit meinem Mentor Michael Vincent und bereitete ein Video für ein Coaching vor. Andererseits suchte ich ein Geburtstagsgeschenk für eine gute Freundin.
Für das Coaching wollte ich ein Kunststück filmen, das sich mit dem Thema Organisation beschäftigt. Meine Idee: jemanden aus dem Bereich Organisationsentwicklung kontaktieren und das Stück in einem passenden Kontext zeigen.
Parallel dazu hatte ich eine zweite Idee: ein Gutschein für eine Qi-Gong-Lektion als Geschenk. Also kontaktierte ich auch eine Qi-Gong-Anbieterin und bat um Rückruf.
Die Zeit verging.
Ein paar Tage später, ein Samstag. Ich war am Kochen, machte eine kurze Pause, schaute aufs Handy – ein verpasster Anruf. Ich rief zurück.
Am anderen Ende meldete sich eine Frau.
Und ich nahm an, sie sei von der Organisationsentwicklung.
Also erklärte ich ihr, ich sei Zauberkünstler und plane ein Video für meinen Mentor. Ich würde mich gerne später nochmals melden, um Details zu klären – gerade sei es etwas ungünstig.
Sie hörte zu. Widersprach nicht.
Für mich war die Sache klar.
Am Montag rief ich erneut an. Ich knüpfte an das Gespräch an, sprach wieder vom Video, vom Kontext Organisationsentwicklung. Sie hörte zu, zeigte Interesse, war offen für einen Termin.
Erst gegen Ende des Gesprächs realisierte ich:
Ich hatte ihren Kontakt falsch eingeordnet.
Sie war nicht in der Organisationsentwicklung tätig.
Sie unterrichtete Qi Gong.
Ein kurzer Moment der Irritation – dann dachte ich:
Eigentlich egal. Auch sie könnte mir als Videopartnerin dienen.
Ich liess die Sache weiterlaufen.
Per Mail fasste ich mein Vorhaben zusammen und schickte ein Beispielvideo mit.
Ihre Antwort war deutlich.
Zuerst kontaktiere ich sie wegen Qi Gong.
Dann spreche ich von Organisationsentwicklung.
Dann von einem Video für meinen Mentor.
Und jetzt, so ihr Eindruck, wolle ich einfach ein Video für YouTube produzieren. Ich hätte von Anfang an ehrlich sagen sollen, worum es mir wirklich geht. Meine Vorgehensweise wirke unseriös.
Immerhin bot sie mir noch Coaching-Stunden an.
Ich erklärte ihr, dass das Video tatsächlich für meinen Mentor gedacht sei. Dass ich Aufnahmen nur mit Einverständnis mache. Dass mir ein sauberer Umgang wichtig ist.
Doch meine Erklärungen erreichten sie nicht mehr.
Kein Treffen.
Kein Video.
Kein Qi-Gong-Gutschein.
Was bleibt?
Vielleicht dies:
Missverständnisse entstehen nicht nur durch das, was wir sagen.
Sondern durch das, was andere daraus machen.
Oder genauer:
Sobald mehrere mögliche Geschichten im Raum sind, entscheidet sich jeder für seine eigene.
In der Zauberkunst nutzen wir genau das.
Wir legen Spuren – und das Publikum folgt einer davon.
Im Alltag passiert dasselbe.
Nur merken wir es oft erst, wenn es zu spät ist.
Und manchmal…
ist ein Buch als Geburtstagsgeschenk doch die einfachere Lösung.
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