Showmanship versus Kunst, Teil 1 / 4 - Einleitung

 Showmanship versus Kunst

Wie oft nehmen wir Kenntnis einer Aussage eines besonderen Künstlers oder einer bekannten Persönlichkeit und nehmen diese Aussage dann, wegen der guten Reputation dieser Person, als etwas, das nicht mehr zu hinterfragen gilt? Ich finde es für gewöhnlich interessant, einen anderen Blick auf die Dinge zu werfen.

Kürzlich las ich zum zweiten Mal die Tei-Biografie über Dai Vernon. Das ist derjenige, der die Zauberkunst anfangs des 20. Jahrhunderts revolutionierte, indem er z.B. viele Abläufe natürlicher machte. Die Biografie entstammt der Feder von David Ben. Da las ich einen Abschnitt, angeblich ein Zitat von Dai Vernon, in welchem der Professor (Dai Vernon) den Unterschied zwischen einem Künstler und einem Showman aufzeigte. Die Grundaussage gemäss Dai Vernon, war, dass der Künstler etwas Wertvolleres als der Showman erschaffe. Dieser Einschätzung gehe ich in diesem dreiteiligen Essay prüfend auf den Grund. Doch zuerst erlaube ich mir, das Zitat auf Deutsch zu übersetzen.

Dai Vernon: „Es gibt meiner Meinung nach einen Unterschied zwischen jemandem, der einfach nur auftritt, einem Showman und einem Künstler. Ein Showman kann auffällig, laut und auf irgendeine Weise berauschend wirken oder die Leute dazu bringen, zu denken, er sei großartig – aber ein Künstler ist etwas ganz anderes.

Nimm zum Beispiel Rubinoff, der Violine spielt: Er geht auf ein Knie, springt herum und macht allerlei gymnastische Bewegungen, und manche sagen: ‚Ist der nicht großartig!‘ Aber Spalding oder Heifetz oder Kreisler können einfach still dastehen und die Geige streichen – und dabei weit mehr Gefühl hervorrufen, als er es mit all seinen Turnübungen vermag.

Mit der Zauberkunst ist es, denke ich, genauso wie mit jeder anderen Kunstform: Man muss keine Verrenkungen machen, um Menschen zu beeindrucken.“

 

Zuerst mal, bevor ich andere Sichtweisen untersuche, pflichte ich Dai Vernon’s Aussage bei, aus einer Spontaneität heraus. Später in einem fortführenden Teil schaue ich genauer hin und werde einiges zu relativieren und zu differenzieren entdecken.

Zurück zur Aussage von Dai. Als Violine – Laie wollte ich der Sachlage nachgehen und prüfen, ob sich dieser Rubinoff wirklich so präsentiert, wie der Professor schilderte. Ich habe welche Videos im Internet gefunden, jedoch sah ich da keinen herumspringenden Rubinoff. Mir fehlt also die direkte Bezugsquelle. Doch Dai’s Aussage klingt schlüssig und nachvollziehbar.

Um Dai’s moralisch zu unterstützen, sei erwähnt, dass ich auch schon tatsächlich Zauberkünstler gesehen habe, bei welchen ich dachte, dass ihre grossen Bewegungen von der Kunst ablenkten. Zudem habe ich zahlreiche Zauberkünstler gesehen, die gerade durch ihre Zurückhaltung brillieren und so kommt ihre Kunst noch mehr zum Vorschein. Es ist sicher etwas dran an Dai Vernon’s Aussage.

Doch gehen wir dem Ganzen genauer auf den Grund und stellen uns zuerst eine Frage.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Guten Tag Miss Verständis

Kunst oder Handwerk?